Jonathan: Mein Kunststudienjahr am Goetheanum
Mein ganzes Leben lang suche ich immer nach Herausforderungen in meinen Tätigkeiten. Deshalb glaubte ich fälschlicherweise, dass Kunst nichts für mich sei. Ich dachte, jeder könne einen blauen Strich auf eine Leinwand malen, einen Farbklecks auf einen roten Hintergrund setzen oder einen Zigarettenhaufen auf einem Fenstersims arrangieren – das könne doch keine Kunst sein.
Doch als ich dann an das Goetheanum kam, wurde mir klar, wie wenig ich über die Kunst wusste. Mir wurde bewusst, dass ich schon mein Leben lang Kunst mache und mich mit ihr befasse, auch wenn mir das vorher nicht bewusst war. In diesen drei Trimestern habe ich so viel Input bekommen, dass ich bis heute noch immer daraus Dinge weiter vertiefen kann. Ich weiß nicht einmal, ob dies jemals endet. Es ist ein unglaublich wertvolles Geschenk, von Dozenten, die mehrere Jahrzehnte etwas studiert haben, in einem einzigen Trimester dies Ganze in teils einfachen Übungen lernen zu dürfen.
Aster: Was passiert, wenn wir mehr Leidenschaft für etwas haben als Fähigkeiten, um damit umzugehen?
Seit ich mich erinnern kann, hat sich mir das Leben immer auf künstlerische Weise genähert. Ich hatte das Gefühl, Dinge zu sehen, die niemand sonst je gesehen hatte, selbst wenn es nur das Sonnenlicht war, das in die Bäume schien, und die Art, wie die Äste der Eichen geformt waren.
Der Ausdruck von Künstlern war wahrscheinlich das Interessanteste, was mir begegnete. Wie konnte jemand das Verborgene, das er sah, in etwas verwandeln, das auch andere erleben konnten?
Also brauchte ich Stifte, Farben, Papier,...
