Rudolf Steiner als Landschaftsarchitekt

Erstellt von Marianne Schubert / Stephan Stockmar | |   News
Ein Schwerpunkt der Arbeit der Sektion für Bildende Künste wird 2019 ein Forschungsprojekt über Rudolf Steiners Gestaltung des Goetheanum-Geländes sein
Forschungsprojekte der Sektion für Bildenden Künste

Nachdem der Baugedanke von der Münchner Innenhofsituation auf den freien Dornacher Hügel übertragen worden war, betont Rudolf Steiner immer wieder die Bedeutung der umgebenden Landschaft für die Gestaltung der Außenformen der Goetheanumbauten. Doch über die Gestaltung des unmittelbar den Bau selbst und seine Nebenbauten umgebenden Geländes äußert er sich nur spärlich. Dabei sind von Baubeginn an zahlreiche Maßnahmen zur Ausgestaltung des Geländes durchgeführt worden, die wahrscheinlich von Steiner veranlasst wurden. Sie betreffen die Wegführung als Zugang zum Bau (Felsli-Weg, Westallee), die Anordnung der umgebenden Bauten, die Modellierung des Geländes und die Ausgestaltung einzelner Orte (z.B. Felsli, Rondell mit »Drachenschwanz«) bis hin zu Angaben zur Bepflanzung. Die so im Gelände geschaffenen Tatsachen vermitteln den Eindruck, dass all diese Gestaltungen Teil eines sich weiter entwickelnden Gesamtkunstwerkes sind, in dessen Zentrum der Bau selbst steht, zunächst des Ersten Goetheanums, dann des ab 1925 aus Beton errichteten Zweiten Goethanums.

Beispiele aus den Fragestellungen:

  • Was lässt sich als Rudolf Steiners ursprüngliche Konzeption für das Goetheanumgelände rekonstruieren? Gab es einen ›Plan‹, der nach und nach umgesetzt wurde? Oder wurden die einzelnen Gestaltungselemente situativ mit Entstehung der Bauten entwickelt?
  • Welche Rolle spielt die Gestaltung der unmittelbaren Umgebung des Goetheanums für den Dornacher Baugedanken? Wie stehen Innenraum und Außenraum miteinander in Beziehung?
  • Wie ›reagieren‹ Steiners Gestaltungsmaßnahmen auf den zweiten Goetheanumbau?
  • Was macht das Goetheanum und seine Umgebung zu einem Gesamtkunstwerk? Was ist das Besondere an diesem und wie ist es kunst- bzw. gartenhistorisch einzuordnen?
  • Was ist nach Rudolf Steiners Tod an Gestaltungselementen dazugekommen – wann, durch wen und mit welcher Intention?
  • Wie können diese Forschungen zu Steiners Gestaltungsimpulsen eine Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Goetheanumparks bilden.

Neben der Sichtung von Rudolf Steiners Äußerungen zum Bauimpuls des Ersten und Zweiten Goetheanums im Hinblick auf die Geländegestaltung soll anhand von Archivmaterialien die Entstehung einzelner Gestaltungselemente während der Bauzeit insbesondere des Ersten Goetheanums und die Durchführung einzelner Maßnahmen zeitlich rekonstruiert werden.Eine bedeutende Rolle spielt auch die Bestandsaufnahme im Gelände: Welches Beziehungsgefüge erschließt sich heute von den verschiedenen Wegen und Orten aus? Welche Erlebnisqualitäten stellen sich entlang der Wege und an den einzelnen Orten ein?Das in Literatur, Archiven und im Gelände Erarbeitete soll in Kolloquien mit Kunstwissenschaftlern, (Landschafts-)Architekten und Goetheanumkennern kritisch diskutiert werden.

 

Marianne Schubert und Stephan Stockmar

Gestalten aus den Grundfragen des Menschseins

Außerdem werden die seit 2017 regelmässig durchgeführten Werkstätten für Kunst am Goetheanum - Skulptur, Malerei, Architektur und Landschaft auch 2019 fortgeführt. Sie bieten ein Forum für die Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk Rudolf Steiners. Während zwei Wochen jeweils ein Künstler/-in eine Werkstattarbeit im Bereich Architektur, Plastik oder Malerei an Kunstschaffende und Interessierte aus allen Lebensbereichen sowie Studierende sind zu tätigem Austausch eingeladen. Die Werkstätten bieten Raum für individuelles Studium und Forschung.

Können wir das künstlerische Werk Rudolf Steiners, das in der prekären zeitgeschichtlichen Lage zu Beginn des 20.Jahrhunderts entstand, heute „neu“ lesen und wie kann sich die praktische Auseinandersetzung in ein Verhältnis setzen zu der komplexen Wirklichkeit, in der wir leben? Die Werkstätten wollen zu den heute anstehenden Gestaltungsfragen beitragen, sowohl in Bezug auf den Raum des eigenen Inneren als auch auf die drängenden Fragen im gesellschaftlichen Raum. Steiners künstlerisches Werk ermöglicht ein Zurückgreifen auf die Grundfragen des Menschseins, um dann im weitesten Sinne gestalterisch damit umzugehen. Dies sind Fragen der Wahrnehmung, der Selbstschulung, die heute so stark benötigte Fähigkeit zu prozessualem Denken, die Überwindung der „Brüche“ zwischen Innen und Außen.

Werkstatt Skulptur: 11.02.- 22.02.2019 mit Claudia Schlürmann

Werkstatt Malerei: 25.02.- 08.03.2019 mit Dorothea Templeton

Werkstatt Architektur und Landschaft: 18.03. - 29.03. 2019 mit Rudolf Kaesbach

Anmeldeschluss: 15. Januar 2019