zur Tagung ›Die Aktualität organischer Architektur‹

Erstellt von Lars Frerichs | |   Berichte
Ein Kommentar von Lars Frerichs

Ich reise immer wieder gerne nach Dornach. Seit dem Studium der Architektur an der Alanus-Hochschule in den 1990er Jahren habe ich das Goetheanum in unterschiedlichen Zusammenhängen besucht und erlebt. Die internationale Tagung über ›die Aktualität organischer Architektur‹ bot einen besonderen Anlass, Dornach erneut zu besuchen.

Die Aktualität organischer Architektur ist selbstverständlich eine Thematik, an der man tagtäglich im Architekturbüro arbeitet. Im Büroalltag besteht jedoch die Gefahr, dass die künstlerische Auseinandersetzung überlagert wird durch technische Zwänge wie Baurecht, Zeitdruck, Kosten etc. Entsprechend wichtig ist es, sich gelegentlich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, um losgelöst an dieser inhaltlichen Thematik zu arbeiten.

Es war für mich sehr erfrischend und bereichernd, Projekte, Motivation und Arbeitsweise der Architektenkollegen kennenzulernen und sich entsprechend auszutauschen. Ein Höhepunkt war auch der inspirierende Auftritt von Espen Tharaldsen aus Norwegen. Er ringt ständig mit sich und mit der Frage, wie sich architektonische Qualität steigern lässt. Hier habe ich die Erkenntnis mitgenommen, dass man als Architekt mutig mit Orthogonalität umgehen darf. Denn erst diese Bühne der Rechtwinkligkeit steigert lebendige Formen und macht sie erfahrbar.

Ich bin froh, an dieser Tagung teilgenommen zu haben und danke Marianne Schubert sehr für das Zustandekommen.

So schön es auch war, viele bekannte Gesichter in Dornach wieder getroffen zu haben, umso bedauerlicher war es festzustellen, dass kaum jüngere Menschen bzw. Architekturstudenten/innen an der Tagung teilnahmen.

Die Ursache liegt meiner Meinung nach nicht darin begründet, dass es den jungen Architekten/innen an drängenden Fragen über Welt und Gesellschaft mangelt. Im Gegenteil: Architekturtagungen, die nicht dem anthroposophischen Umfeld entspringen, werden rege und in der Regel von deutlich jüngerem Publikum besucht. Fachtagungen und Diskussionen an staatlichen Architekturhochschulen und Institutionen haben sich inhaltlich geöffnet und vermitteln nicht mehr die dogmatische Enge, die noch vor wenigen Jahren vorzufinden war. Architekturstudenten wird gestalterisch mehr Freiraum gegeben. Die Studenten danken es mit einem oftmals künstlerisch hochwertigen Formenkanon. Das ist eine sehr positive Entwicklung.

Eine Architekturtagung in Dornach bietet anscheinend nicht die entsprechende Antwort auf diese Entwicklung. Das ist schade. Denn genau da könnte die Anthroposophie (mit ihrem Geheimwissen und ihrem einmaligen Gebäudeensemble) ansetzen und entsprechend diesen Drang nach künstlerischer Form und Freiheit inhaltlich unterfüttern. Aber diese Unterfütterung sollte mit einer Entspanntheit und Leichtigkeit erfolgen, die die jungen Menschen heute anspricht.

Einen guten Beitrag gab es dazu von Willem-Jan Beeren als Vertreter der Alanus-Hochschule. Er geht mit seiner Architekturfakultät anscheinend genau diesen Weg und holt die Studenten genau dort ab, wo sie gerade stehen.